Besonderheiten

Kommen Sie näher, kommen Sie ran! Hier werden Sie nicht enttäuscht. Studieren Sie die größten Kuriositäten im Reich der Amphibien. Es kostet Sie nur ein paar Mausklicks. Nehmen Sie Platz. Lassen Sie sich verzaubern vom Gestaltungsreichtum der Natur, von der Leistungsfähigkeit der Evolution und von der Vielfalt der Schöpfung.
Grasfrosch
Grasfrosch (Rana temporaria).
©2005 Herbert Leger.

Wenn Sie auf der geführten Tour hier her gekommen sind, dann werden Sie einige der auf dieser Seite besprochenen Lurche schon kennen: Sie wurden auf den Seiten davor bereits kurz erwähnt. Ganz bestimmt werden Sie aber auch einiges Neues entdecken.

Der größte Lurch

Der größte Salamander (Wörterbuch) ist der Chinesische Riesensalamander mit fast 2m Länge!

Der größte Frosch

Der Goliathfrosch ist mit teilweise über 30cm Kopf-Rumpf-Länge der größte Frosch der Welt.

Der giftigste Frosch...

...lebt in Kolumbien und ist nur 4,5cm lang. Er gehört zu den sog. Blattsteigerfröschen (Familie Dendro- bzw. Phyllobatidae). Sein Name: Phyllobates aurotaenia. Aus der Haut eines einzigen Exemplars dieses Frosches lässt sich genug Gift gewinnen, um 100 Menschen damit zu töten. Das Gift (Batrachotoxin) ist eines der stärksten wenn nicht das stärkste bekannte Gift überhaupt. Es öffnet die Natriumkanäle der Nervenfasern unumkehrbar. Das führt zu Krämpfen, Atemstillstand und schließlich nach nur wenigen Sekunden zum Tod. Und das Beste: Ein Gegengift ist selbst den Indianern, die dieses Gift heute nur noch bei der Jagd verwenden, nicht bekannt.

Fortpflanzung zum Staunen

Eier werden nur geschluckt, wenn man Hunger hat. Das stimmt seit 1984 wieder. Damals starb der letzte Magenbrüterfrosch (Rheobatrachus silus). Er lebte in Australien. Die Weibchen nahmen die befruchteten Eier ins Maul und schluckten sie. Im Magen der Mutter entwickelte sich der Nachwuchs prächtig - während Mama ihre Magensäfte im Zaume hielt und hungerte. 2 Monate lang. Dann waren die Jungen fertig und wurden ausgespuckt.

Nicht ganz so spektakulär aber kaum weniger exotisch läuft die Jungenaufzucht bei einigen tropischen Fröschen, die für ihre Larven regelmäßig frische Eier legen. Bei den größten Spezialisten handelt es sich dabei um ganz spezielle nicht entwicklungsfähige Nähreier.

Eierlos

Es gibt Lurche (Wörterbuch) , bei denen die Entwicklung der Jungen komplett im Körper der Mutter abläuft. Also innere Befruchtung (an Land), Eier werden nicht mehr abgelegt und die Larven sehen nie das Tageslicht. Erst die fertigen Jungtiere werden ins Freie entlassen. So was gibt's auch in Deutschland! interner Link Alpensalamander!

Hart im Nehmen

Wir machen es uns zu Hause gemütlich, ziehen die Vorhänge zu, eine Strickjacke an und entfachen den Kamin. Zur gleichen Zeit im Januar oder Februar machen sich die ersten interner Link Erdkröten und interner Link Grasfrösche auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, nackt und feucht...

Undercover

Der Schildkrötenfrosch (Myobatrachus gouldii) lebt in Australien. Er kommt nur zur Paarung an die Erdoberfläche - wenn es regnet. Den Rest des Jahres verbringt er im Boden.

Eiskalt

Der amerikanische Waldfrosch (Rana Sylvatica) produziert bei Bedarf sein eigenes Frostschutzmittel. Damit überlebt er Temperaturen von bis zu 16 Grad unter Null.

GPS inklusive

Bei Untersuchungen zum Navigationsvermögen von Lurchen (Wörterbuch) , haben amerikanische Forscher Molche (Wörterbuch) bis zu 10km von ihrem Fundort entfernt. Ein großer Teil der Tiere fand den Weg zurück.

Auf unsere Körpergröße übertragen müssten wir uns gut und gerne 100km von zu Hause weg bringen lassen. Den Weg zurück finden wir dann ohne fremde Hilfe. Also ohne Landkarte, ohne nach dem Weg zu fragen, ohne Kompass, ohne Ortsschilder und Wegweiser. Und ohne Geld. Immer noch ein Kinderspiel. Schließlich werden wir weder von Raubzeug verfolgt noch müssen wir uns durch einen riesigen Dschungel aus Gras, Ästen, Gräben und Straßen schlagen.

Extremtauchen

Ohne Thermoanzug, ohne Schnorchel, ohne Luft: Viele Lurche (Wörterbuch) überwintern teilweise am Grunde von Gewässern. Da sie in der kalten Jahreszeit mit der Sauerstoffversorgung durch die Haut auskommen, sind sie so vor dem Erfrierungstod sicher - wenn das Wasser tief genug ist.

Frosch der Zukunft

Hätten Sie gedacht, dass Sie vor ihrer Haustür Zeuge der Evolution werden können? Zeuge vom ständigen Kommen, Sein und Gehen der Arten? Sein und Gehen schon. Aber Kommen? Bei den Grünfröschen (Wörterbuch) tut sich zurzeit 'was in dieser Richtung! Wir kennen in Deutschland 3 "Erscheinungsformen" der Grünfrösche (Wörterbuch): Den interner Link Seefrosch den interner Link Kleinen Wasserfrosch oder interner Link Kleinen Grünfrosch und den interner Link Wasserfrosch oder interner Link Teichfrosch. Schon am Namenswirrwahr erkennt man, dass die Sache nicht ganz eindeutig ist. Seefrosch und Kleiner Wasserfrosch werden als eigene Arten angesehen. Wogegen der Teichfrosch offensichtlich ein Mischwesen aus den beiden vorgenannten Arten ist. Warum? Weil Individuen einer Art untereinander uneingeschränkt fortpflanzungsfähig sind - passendes Geschlecht voraus gesetzt.
Für Seefrosch und Kleiner Wasserfrosch trifft diese Definitionen voll zu: Alle Seefroschweibchen sind mit allen Seefroschmännchen uneingeschränkt fortpflanzungsfähig: Mit wildfremden Artgenossen genauso wie mit ihren Nachkommen oder ihren Ahnen. Das Gleiche gilt für den Kleinen Wasserfrosch.
Arten leben also gewissermaßen in einer Erbinformationstauschbörse, auf die jedes Individuum zumindest theoretisch vollen freien Zugriff hat.

Genau dieser gemeinsame Genpool existiert bei interner Link Teichfröschen nicht. Sie entstehen bei der Paarung von interner Link Seefröschen mit interner Link Kleinen Wasserfröschen. Teichfroschpaarungen mit interner Link Seefröschen führen in der Regel aber nicht zu lebensfähigen Nachkommen. Genauso entstehen aus reinen Teichfroschpaarungen nur ausnahmsweise Exemplare der Elternarten als lebensfähige Nachkommen. Die externer Link Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz führt dieses Phänomen für die Schweiz aus. Dort gibt es jedoch noch eine Besonderheit: interner Link Seefröschen kamen in der Schweiz bis vor einigen Jahren nicht vor. Damit ergibt sich das in unten stehender Tabelle dargestellte Bild.

Eltern Kinder Bemerkungen
Seefrosch / Seefrosch Seefrosch  
Seefrosch / Kleiner Wasserfrosch Teichfrosch Kommt in der Schweiz erst seit der Einschleppung des Seefrosches in der freien Wildbahn vor. Auf lange Sicht kann dies zu einer Auffrischung des Seefrosch-Anteils im Teichfrosch führen.
Seefrosch / Teichfrosch nicht lebensfähig Die Samen- und Eizellen des Teichfrosches enthalten nur altesErbgut des Seefrosches. Zusammen mit dem frischen Erbgut des anderen Elternteil entstehen keine lebensfähigen Nachkommen.
Das kann sich durch den eingeschleppten Seefrosch in Zukunft ändern (siehe vorige Kreuzungsvariante).
Teichfrosch / Teichfrosch nicht lebensfähig
Kleiner Wasserfrosch / Teichfrosch Teichfrosch Da die Teichfrösche nur Samen- und Eizellen mit dem Erbgut des Seefrosches bilden, entstehen wieder Teichfrösche.
Kleiner Wasserfrosch / Kleiner Wasserfrosch Kleiner Wasserfrosch  
Fortpflanzungsproblematik der Grünfrösche in der Schweiz

Offenbar sind interner Link Seefrosch und interner Link Kleiner Wasserfrosch gerade dabei, sich gegeneinander stärker abzugrenzen. Oder entwickelt sich aus dem interner Link Teichfrosch dereinst eine eigene Art? Schauen wir uns das Geschehen in 1 Million Jahre nochmals an.

Heute jedenfalls findet man alle möglichen Gesellschaftsformen bei Grünfröschen: interner Link Seefrosch, interner Link Kleiner Wasserfrosch und interner Link Teichfrosch zusammen, interner Link Seefrosch und interner Link Teichfrosch zusammen, interner Link Teichfrosch zusammen mit interner Link Kleiner Wasserfrosch und jede "Art" fur sich allein. Häufig sind in Teichfrosch-Populationen die Geschlechter nicht gleich verteilt. Es gibt also z.B. viel mehr Männchen als Weibchen oder umgekehrt. Außerdem fällt auf, dass viele interner Link Teichfrösche steril oder doch in ihrer Fruchtbarkeit eingeschränkt sind.

Wem diese Besonderheiten der Grünfrosch-Fortpflanzung noch nicht reichen: Bei der normalen Bildung von Keimzellen (Ei- und Samenzellen), werden zum Einen die beiden vorhandenen Chromosomensätze voneinander getrennt und auf die Keimzellen verteilt, zum Anderen kommt es davor zu einer mehr oder weniger starken Durchmischung beider Chromosomensätze. Nicht so bei interner Link Teichfröschen. Es gibt offensichtlich Populationen, in denen bevorzugt die Chromosomen einer bestimmten Elternart an die Ei- und Samenzellen weiter gegeben werden. Eine Durchmischung der elterlichen Chromosomensätze findet scheinbar nicht statt (vielleicht erklärt dieser Mechanismus auch die oft beobachtete Ungleichverteilung der Geschlechter. Beispiel: Teichfroschmännchen mit Mutter interner Link Seefrosch, Vater interner Link Kleiner Wasserfrosch. Kinder bei Weitergabe des Seefrosch-Erbguts vorwiegend Weibchen.

Weiterführende Links

  • Die Sammlung der Rekorde auf der Seite von externer Link Axel Kwet sind einen Abstecher wert.